DAS KUNSTWERK BIST DU
Wahrnehmung - bevor sie gedacht wird
Über den Moment vor dem Verstehen
Wahrnehmung beginnt nicht im Denken.
Sie geschieht früher.
Im Körper.
In einem Moment, der noch keinen Namen hat.
Bevor etwas verstanden wird, ist es bereits da.
Wahrnehmung kommt vor Erkenntnis.
Und Erkenntnis folgt nicht immer der Erfahrung.
Manches zeigt sich, bevor es eingeordnet werden kann.
Ich erfahre.
Und ich kreiere.
Ich kreiere.
Und ich erfahre.
Vielleicht geschieht beides gleichzeitig.
Der Körper weiß oft früher, was später gedacht wird.
Es zeigt sich als ein Innehalten, ein kaum merklicher Impuls. Noch ohne Bedeutung
und doch nicht neutral.
Was wir wahrnehmen, erscheint nicht im leeren Raum.
Es begegnet Erfahrungen, die bereits da sind.
Bildern, die wir in uns tragen.
Leisen Annahmen, die selten sichtbar werden.
So entsteht Bedeutung.
Nicht allein aus dem, was geschieht, sondern auch aus dem,
was ihm begegnet.
Erst später finden wir Worte. Eine Erklärung. Einen Zusammenhang.
Und manchmal glauben wir dann,
wir hätten verstanden.
Doch vielleicht geschieht etwas anderes.
Vielleicht entsteht Erkenntnis nicht nur aus der Erfahrung selbst.
Sondern auch aus dem Blick, mit dem wir ihr begegnen.
Wahrnehmung ist für mich kein Abbild.
Sie ist ein Vorgang.
Ein stilles Entstehen zwischen dem,
was ist und dem, was wir darin erkennen.
Nichts daran ist getrennt.
Nicht das, was gesehen wird. Nicht das,
was gefühlt wird. Nicht das,
was gedacht wird.
Alles geschieht zugleich.
Vielleicht prägt unsere Art zu begegnen,
was wir erkennen.
Vielleicht beginnt alles viel früher,
als wir glauben.
In einem Augenblick,
der noch keinen Namen hat.
Dort,
wo wir still werden.
Still.
Joanna Falconer