DAS KUNSTWERK BIST DU
Wahrnehmung - bevor sie gedacht wird Über den Moment vor dem Verstehen Wahrnehmung beginnt nicht im Denken. Sie geschieht früher, im Körper, in einem Moment, der noch keinen Namen hat. Bevor etwas verstanden wird, ist es bereits da. Wahrnehmung kommt vor Erkenntnis. Und Erkenntnis folgt nicht immer der Erfahrung. Manches zeigt sich, bevor es eingeordnet werden kann. Ich erfahre und ich kreiere. Ich kreiere und ich erfahre. Beides geschieht zugleich. Der Körper weiß oft früher, was später gedacht wird. Es zeigt sich als ein Innehalten, ein kaum merklicher Impuls, eine feine Verschiebung - noch ohne Bedeutung und doch nicht neutral. Was wir wahrnehmen, erscheint nicht im leeren Raum. Es trifft auf etwas: auf Erfahrungen, die bereits da sind, auf Bilder, die wir in uns tragen, auf leise Annahmen, die selten sichtbar werden. So entsteht Bedeutung - nicht nur aus dem, was geschieht, sondern auch aus dem, was ihm begegnet. Erst später entsteht ein Wort, eine Erklärung, ein Zusammenhang. Und oft wirkt es dann, als hätten wir verstanden, was war. Doch vielleicht geschieht etwas anderes. Vielleicht entsteht Erkenntnis nicht nur aus Erfahrung, sondern auch aus dem, was wir in sie hineinlegen. Wahrnehmung ist kein Abbild. Sie ist ein Vorgang – ein stilles Entstehen zwischen dem, was ist, und dem, was wir darin erkennen. Nichts daran ist getrennt. Nicht das, was gesehen wird, nicht das, was gefühlt wird, nicht das, was gedacht wird. Es geschieht gemeinsam. Und vielleicht liegt genau darin eine Verschiebung: Dass wir nicht erst verstehen müssen, um wahrzunehmen, sondern dass Wahrnehmung bereits eine Form von Erkenntnis ist. Still. Joanna Falconer
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Wahrnehmung - bevor sie gedacht wird Über den Moment vor dem Verstehen Wahrnehmung beginnt nicht im Denken. Sie geschieht früher, im Körper, in einem Moment, der noch keinen Namen hat. Bevor etwas verstanden wird, ist es bereits da. Wahrnehmung kommt vor Erkenntnis. Und Erkenntnis folgt nicht immer der Erfahrung. Manches zeigt sich, bevor es eingeordnet werden kann. Ich erfahre und ich kreiere. Ich kreiere und ich erfahre. Beides geschieht zugleich. Der Körper weiß oft früher, was später gedacht wird. Es zeigt sich als ein Innehalten, ein kaum merklicher Impuls, eine feine Verschiebung - noch ohne Bedeutung und doch nicht neutral. Was wir wahrnehmen, erscheint nicht im leeren Raum. Es trifft auf etwas: auf Erfahrungen, die bereits da sind, auf Bilder, die wir in uns tragen, auf leise Annahmen, die selten sichtbar werden. So entsteht Bedeutung - nicht nur aus dem, was geschieht, sondern auch aus dem, was ihm begegnet. Erst später entsteht ein Wort, eine Erklärung, ein Zusammenhang. Und oft wirkt es dann, als hätten wir verstanden, was war. Doch vielleicht geschieht etwas anderes. Vielleicht entsteht Erkenntnis nicht nur aus Erfahrung, sondern auch aus dem, was wir in sie hineinlegen. Wahrnehmung ist kein Abbild. Sie ist ein Vorgang – ein stilles Entstehen zwischen dem, was ist, und dem, was wir darin erkennen. Nichts daran ist getrennt. Nicht das, was gesehen wird, nicht das, was gefühlt wird, nicht das, was gedacht wird. Es geschieht gemeinsam. Und vielleicht liegt genau darin eine Verschiebung: Dass wir nicht erst verstehen müssen, um wahrzunehmen, sondern dass Wahrnehmung bereits eine Form von Erkenntnis ist. Still. Joanna Falconer