DAS KUNSTWERK BIST DU
Die stille Kunst, Realität zu formen Notiz über Wahrnehmung, Glauben und innere Bewegung Es gibt Momente, in denen wir spüren, dass das, was wir »die Welt« nennen, nur eine von vielen möglichen Deutungen ist. Wir schauen. Wir hören. Wir fühlen. Und nennen das Wahrnehmung. Zwischen dem, was geschieht, und dem, was wir erleben, liegt ein feiner Raum. Vielleicht entsteht genau dort unsere Wirklichkeit. Wir handeln selten nach dem, was ist. Meist handeln wir nach dem, was wir für wahr halten. Nach einem Satz aus der Kindheit. Nach einer alten Erfahrung. Nach einem Bild, das wir irgendwann übernommen haben. Manche Überzeugungen werden so vertraut, dass wir sie kaum noch bemerken. Sie begleiten uns, als gehörten sie zu uns. Vielleicht beginnt Veränderung deshalb nicht erst mit einer neuen Entscheidung, sondern mit einem genaueren Hinhören. Mit dem Lauschen auf das, was in uns längst spricht. Wir sehen die Welt nicht, wie sie ist. Wir sehen sie, wie wir ihr begegnen. Zwei Menschen stehen am selben Ort. Die Situation ist dieselbe. Und doch erlebt sie jeder anders. Nicht wegen der Umstände, sondern wegen der Art, wie sie wahrgenommen werden. Wahrnehmung ist nie nur Beobachtung. Sie antwortet. Sie bewertet Sie gestaltet mit. Vielleicht verändert sich unsere Wirklichkeit, wenn sich unsere Art zu sehen verändert. Beim Lesen eines Buches blieb ein Satz bei mir. Aus Die Natur der persönlichen Realität von Jane Roberts. „Wenn ihr wirklich begreift, dass ihr selbst formt, was ihr für eure Realität haltet, dann kommt alles an seinen echten Ort.“ Mich berührt daran nicht die Vorstellung, alles kontrollieren zu können, sondern die Erinnerung, dass wir dem Leben nicht gegenüberstehen. Wir sind Teil davon. Mit unserem Blick. Mit unserer Aufmerksamkeit. Mit unserer Art, der Welt zu begegnen. Vielleicht beginnt Kreativität viel früher, als wir glauben. Nicht erst, wenn etwas Neues entsteht. Sondern in dem Augenblick, in dem wir beginnen, feiner wahrzunehmen. Ein Gedanke. Ein Blick. Ein leiser Impuls. Etwas, das vorher schon da war, aber noch nicht gesehen wurde. Vielleicht ist Kreativität weniger ein Erfinden als ein Entdecken. Ein stilles Sichtbarwerden. Still. Joanna Falconer
DAS KUNSTWERK BIST DU
Die stille Kunst, Realität zu formen Notiz über Wahrnehmung, Glauben und innere Bewegung Es gibt Momente, in denen wir spüren, dass das, was wir »die Welt« nennen, nur eine von vielen möglichen Deutungen ist. Wir schauen. Wir hören. Wir fühlen. Und nennen das Wahrnehmung. Zwischen dem, was geschieht, und dem, was wir erleben, liegt ein feiner Raum. Vielleicht entsteht genau dort unsere Wirklichkeit. Wir handeln selten nach dem, was ist. Meist handeln wir nach dem, was wir für wahr halten. Nach einem Satz aus der Kindheit. Nach einer alten Erfahrung. Nach einem Bild, das wir irgendwann übernommen haben. Manche Überzeugungen werden so vertraut, dass wir sie kaum noch bemerken. Sie begleiten uns, als gehörten sie zu uns. Vielleicht beginnt Veränderung deshalb nicht erst mit einer neuen Entscheidung, sondern mit einem genaueren Hinhören. Mit dem Lauschen auf das, was in uns längst spricht. Wir sehen die Welt nicht, wie sie ist. Wir sehen sie, wie wir ihr begegnen. Zwei Menschen stehen am selben Ort. Die Situation ist dieselbe. Und doch erlebt sie jeder anders. Nicht wegen der Umstände, sondern wegen der Art, wie sie wahrgenommen werden. Wahrnehmung ist nie nur Beobachtung. Sie antwortet. Sie bewertet Sie gestaltet mit. Vielleicht verändert sich unsere Wirklichkeit, wenn sich unsere Art zu sehen verändert. Beim Lesen eines Buches blieb ein Satz bei mir. Aus Die Natur der persönlichen Realität von Jane Roberts. „Wenn ihr wirklich begreift, dass ihr selbst formt, was ihr für eure Realität haltet, dann kommt alles an seinen echten Ort.“ Mich berührt daran nicht die Vorstellung, alles kontrollieren zu können, sondern die Erinnerung, dass wir dem Leben nicht gegenüberstehen. Wir sind Teil davon. Mit unserem Blick. Mit unserer Aufmerksamkeit. Mit unserer Art, der Welt zu begegnen. Vielleicht beginnt Kreativität viel früher, als wir glauben. Nicht erst, wenn etwas Neues entsteht. Sondern in dem Augenblick, in dem wir beginnen, feiner wahrzunehmen. Ein Gedanke. Ein Blick. Ein leiser Impuls. Etwas, das vorher schon da war, aber noch nicht gesehen wurde. Vielleicht ist Kreativität weniger ein Erfinden als ein Entdecken. Ein stilles Sichtbarwerden. Still. Joanna Falconer